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Die wilden Schluchten Nordgriechenlands

Griechenland ist nicht nur bekannt für gutenWein, Souflaki und das blaueMeer, sondern hat noch vielmehr zu bieten. Im Frühjahr füllen sich die Flüsse aufgrund der Schneeschmelzemit glasklarem Wasser, und besonders imLandesinneren warten schroffe Berge und tiefe Schluchten auf die Paddler. Das Optimale also für jeden Genuss-Paddler, wie Christian Zicke zu berichten weiß, der im Norden des Landes unterwegs war.

Es ist neun Uhr morgens, als unsere Fähre in die nordgriechische Hafenstadt Igoumenitsa einläuft. Nach gut 20 Stunden Überfahrt von Venedig aus freuen wir uns auf festen Boden unter den Füßen. Doch nochmehr freuen wir uns auf die ersten griechischen Flüsse unserer Paddelkarriere. Denn bisher kennen wir Griechenland nur als klassisches Urlaubsrevier im Sommer. Dass uns Igoumenitsa jetzt Mitte April mit strahlend-blauem Himmel, T-Shirt-Wetter und schneebedeckten Bergen im Hintergrund empfängt, macht uns regelrecht euphorisch.

Nachdem wir auf der Fähre ausgecheckthaben, fahren wir direkt in Richtung Berge. Der erste Fluss auf unserem Tour-Plan ist der Arachtos. Er ist einer der größten Flüsse Griechenlands, und somit garantiert er einen guten Wasserstand. Er soll den Auftakt unserer Pilottour in das »Land der Götter« machen, denn hier findet man laut Angaben unseres Flussführers eine große Auswahl an Strecken der unterschiedlichsten Schwierigkeitsgrade.

Nach kurzer Autofahrt kommen wir am Arachtos an. Die Anreise durch die grandiose Felslandschaft und die vielen Serpentinen hinunter zum Fluss haben uns leider vergessen lassen, dass wir weder für den Abend noch für das Frühstück am nächsten Morgen genügend Essen an Bord haben. Da wir uns in einem Wildcamp direkt am Fluss befinden und es natürlich in der griechischen Pampa auch kein »Büdchen« gibt, entschließen wir uns, in die nächst gelegene Ortschaft, nach Plaka, zu fahren.

Auf der Karte sieht es so aus, alswären das nur einige Kilometer über weiß-markierte Straßen. Alternativ gibt es einen riesigen Umweg über gelb-markierte Straßen. Wir entschließen uns für die weiße und kommen Stunden später, völlig gerädert und durchgeschüttelt, in Plaka an. Fast hätten wir sogar kurz vor dem Ziel umdrehen müssen, da die halbe Straße den Hang herunter gerutscht war und unsere Autos gerade so am Abgrund vorbei passen. In Plaka finden wir auch einen Laden. Hier gibt es fast alles, nur kein Brot. Andrea kauft Mehl, wir können ja am nächsten Morgen selbst backen.

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Allgemeines

Griechenland bietet für jeden etwas: Kultur, Landschaft, gutes Essen und Wildwasser der Extraklasse. Kaum ein Kajak-Gebiet bietet so schöne, tiefe Schluchten im zweiten und dritten Schwierigkeitsgrad. Doch auch Vierer-Kandidaten kommen in Griechenland auf ihre Kosten – allerdings gibt es nicht vielWildwasser im fünften Grad. Griechenland ist also eher ein Gebiet für Genießer. Nicht außer Acht lassen bei der Tourplanung sollte man aber die Abgeschiedenheit griechischer Flüsse.

Straßen/Verkehrsnetz

Die Flüsse sind zwar oft nicht so leicht erreichbar wie in anderen Wildwasser-Gebieten, diemeisten kannman abermittlerweile über normale, asphaltierte Pisten erreichen. Zu den vorgestellten Flüssen Arachtos, Acheron, Acheloos, Venetikos und Voidomatis kommt man mit jedem normalen Pkw (tiefergelegt sollte allerdings kein Auto sein, mit dem man griechische Flüsse erreichenmöchte). Die Versetz-Strecken (für den Shuttleverkehr) der einzelnen Etappen sind auch länger als in vielen anderen Gebieten – allerdings ist dies alles mit der nötigen Gelassenheit kein Problem. Man sollte lieber Umwege in Kauf nehmen und die »gelben« Straßen fahren, als sich über »weiße«, oft nicht feste Schotterpisten zu quälen – es sei denn, man hat einen Geländewagen. Karten sind oft nicht so genau, auch Ortsnamen werden nicht immer gleich geschrieben. Man sollte daher ein wenige Improvisationstalent beweisen oder einen netten Griechen nach dem Weg fragen.

Campen

Campingplätze gibt es eigentlich nur an den Küsten und bei den Meteora-Klöstern. An den meisten Flüssen ist wildes Campen aber kein Problem, so lange man niemanden stört.

Anreise

Wir empfehlen die Anreisemit der Fähre von Ancona oderVenedig nach Igoumenitsa (Nordgriechenland) oder Patras (Peloponnes). Wir wählen immer die Fährlinie »Minoan-Lines« und das Reisebüro »Exposa«.

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Einen ausführlichen Bericht und weitere Tourenvorschläge lesen Sie in der Ausgabe 01/2010 des kajak-Magazins.

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