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Korsika

Is it love?

Christian Zicke ist ein absoluter Korsika-Kenner, schließlich war er privat und mit seiner Kanuschule schon über zwanzig Mal auf der »Ile de la beauté«. Denkt er an »seine« Insel, gerät er ins Schwärmen, und so nimmt er die kajak-Leser mit auf einen Streifzug durch das korsische Wildwasser.

Gemächlich rumpelt die »Santa Regina« über das Mittelmeer. Das älteste Schiff aus der Flotte von »Corsica Ferries« ist uns nahezu so vertraut wie die Insel selbst. Bereits 1996 bin ich mit diesem Dampfer von Genua zu meinem ersten Trip auf die »Ile de la Beauté«, auf die Insel der Schönheit, aufgebrochen. Doch nicht nur, dass ich seit 1996 nahezu jedes Jahr auf Korsika war, in manchen Jahren war ich sogar mehrfach dort – insgesamt nun ungefähr 25 Mal. Warum Korsika ein so großes Suchtpotential birgt, findet man am besten heraus, wenn man selbst einmal hinfährt.

Text/Bilder: Christian Zicke

Schon Napoleon Bonaparte hat angeblich gesagt, man könne ihn auf einem kleinen Schiff irgendwo auf dem Mittelmeer aussetzen, spätestens wenn Korsika nur noch hundert Seemeilen entfernt ist, könnte er ihre Nähe am Geruch erkennen. Dieser Geruch ist im Frühjahr besonders intensiv. Dann duftet die berühmte korsische Macchia nach wilden Kräutern, nach Thymian, Lavendel und Ginster.

Und genau dieser Duft ist es, der uns bei der Einfahrt in den Hafen von Bastia entgegen weht. Sofort werden Sehnsüchte geweckt: An milde Abende am Meer und frostige Nächte am Lagerferuer in den Bergen. Aber besonders intensiv ist die Begegnung mit der Macchia, wenn man sein Boot mal wieder durch das unbändige Gestrüpp zur Straße zerren muss. Wenn der Bach mal wieder einen Tacken zu hart oder die Psyche zu weich war. Wenn das Paddel nicht gehalten hat auf den steinigen Rinnen der Oberläufe und man im neuen Trocki durch die Dornen kraucht und man weißt, dass dieser Trocki nie wieder dicht sein wird…

Bastia und der wilde Norden

Dass wir zum Paddeln auf Korsika in der Regel keinen Trockenanzug benötigen, wird meistens schon bei der Ankunft in Bastia klar. In den meisten Fällen empfängt uns die Insel mit bestem mediterranen Wetter. Deshalb fällt auch die Anfahrt zum ersten Camp mediterran aus. Die Straßencafés von Bastia laden zum Frühstücks-Kaffee, entspannt beobachten wir das hektische Treiben der Korsen.

Dann quälen wir uns durch den dichten Verkehr der Inselhauptstadt. Doch bereits nach dem fünften Kreisverkehr wird es ruhiger. Dann biegen wir in das Landesinnere ab und das Blechchaos der ersten halben Stunde ist vergessen. Spätestens in Ponte Leccia werden wir den Einkauf für die ersten Tage vornehmen, denn unser erster Campingplatz liegt ein Stück abseits.

Im Tal des wilden Golo

Der Campingplatz »Campita« im kleinen Weiler Francardo war früher der Anlaufpunkt für alle Paddler. Das hat sich in den letzten Jahren ein wenig gewandelt, denn der Platz ist recht schattig und, gerade bei weniger gutem Wetter, etwas kühl. Und genauso kann auch der Empfang ausfallen. Beispielsweise wenn man sich am Abend ein lauschiges Plätzchen auf dem großen Arsenal gesucht hat und am Morgen um sechs geweckt wird und in zackigem Deutsch der Personalauweis verlangt wird.

Geht man einige Stunden später zur Rezeption, um eines der letzten Baguette abzugreifen, wird jedoch schnell klar, was der Grund für die ruppige Begrüßung ist. Monsieur ist nahezu blind und muss den Platz deshalb mit eisernen Regeln führen. Was für manchen befremdlich wirkt, ist für ihn wichtig. Nur so kann er den Überblick behalten. Spätestens, wenn man mit ihm zusammen in seinem Golfcart über den Platz jagt, selbst aber nur lenken darf, während der alte Herr Gas und Bremse betätigt, ist der Frust vom Morgen wieder vergessen.

Den vollständigen Beitrag lesen Sie in der Ausgabe 02/2017.

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