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Walwetter und Meeresrauschen

Eine Winterrunde um die Insel Fehmarn

Vorbei an verwaisten Stränden, spektakulären Steilküsten und alten Leuchttürmen – eine Kajaktour auf dem Meer während der Winterzeit bietet so viel mehr als nur Salzwasser, Wind und Wellen: Björn Nehrhoff von Holderberg hat die Weite der See in sich aufgenommen und war eins mit der Natur.

Immerhin 2,5 Millionen Touristen machen während eines Jahres Urlaub auf der Ostseeinsel Fehmarn. Die meisten davon kommen im Sommer. Als ich im November, mitten in der kalten Jahreszeit, mein Kajak am Strand ablade, liegt eine zauberhafte Wetterstimmung über der Ostsee und ich bin gespannt, wie viele Menschen ich zu dieser Zeit auf dem Wasser antreffen werde.

Text/Bilder: Björn Nehrhoff von Holderberg

Der Himmel ist an meinem Startpunkt direkt im kleinen Fehmarnsund unterhalb der Brücke von einer Schicht hellgrauer Wolken bedeckt. Aber zwischen der Wolkendecke und dem Horizont leuchtet ein orangenes Band. Ungewöhnlich daran ist, dass es nicht nur zur Zeit des Sonnenaufgangs erscheint, sondern nun schon seit zwei Stunden am Himmel hängt, als wäre es dort festgetackert. Dazu spiegelt sich die ganze Szenerie auf der träge daliegenden Ostsee und schafft die Illusion, man schaue in einen gigantischen Tunnel. Wie ein heißes Messer durch Butter schneidet bald der Bug meines Seekajaks die Reflexionen und hinterlässt im Kielwasser Vförmige Wellenmuster, die sich wenig später im Nichts verlieren. Kajaker hinterlassen keine Spuren, die länger bleiben.

Walwetter

Fehlender Wind und daher ebenfalls ausbleibende Wellen sind nahezu perfekte Bedingungen, um auf dem kleinen Baltischen Meer Wale zu sichten. Bis auf seltene Ausnahmen von einzelnen Delphinen, Buckel- oder Finnwalen, die stets hysterisch von den lokalen Medien begleitet werden, trifft man hier in der westlichen Ostsee in der Regel nur die kleinsten aus der Familie der Meeressäuger an – die Schweinswale.

Doch auch wer diese kleinen Meeressäuger sichten will, braucht viel Glück und eben am besten jenes stille Walwetter. Etwa einen Kilometer weit draußen auf dem Meer, vor der Hafeneinfahrt des Burger Binnensees, die wegen seiner Hochhäuser in Ufernähe wohl unattraktivste Stelle des Eilands, nehme ich aus dem Augenwinkel 50 Meter seitlich von mir drei schwarze Silhouetten wahr. Zunächst halte ich sie für eine auf und ab schwappende Eiderenten-Gruppe, die im Wellental außer Sicht verschwindet und am Wellenkamm wiederauftaucht.

Ein erneutes Auftauchen belehrt mich eines Besseren, kann ich doch nun deutlich mehrere kleine, schwarze Finnen sehen, die ungefähr in meine Richtung zu schwimmen scheinen. Ich lege das Paddel nieder und lasse mich treiben, in der Hoffnung, dass die Gruppe der Schweinswale in der Nähe des Kajaks wieder erscheint. Nach einer Minute vergeblichen Wartens kommen die drei Säuger dann an gänzlich anderer Stelle wieder an die Oberfläche. Trotzdem halte ich noch einen Moment inne und beobachte das Treiben, von dem man über Wasser nur so wenig mitbekommt. Noch einmal erscheinen die Wale unvermittelt wieder etwas näher am Kajak, verschwinden dann aber leider auf Nimmerwiedersehen in den Weiten der Ostsee.

Den vollständigen Beitrag lesen Sie in der Ausgabe 02/2017.

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