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Von Lettland nach Estland

Ein Kajakabenteuer im Finnischen Meerbusen

Wenn Jörg Knorr mit seinem Seekajak unterwegs ist, will er Horizonte entdecken. Mit dem Kajak, da ist er sich sicher, funktioniert das am besten. Diesmal hatte Jörg sich Estland als Paddelziel ausgesucht. Was er erlebt hat, übertraf seine Erwartungen. Immer dicht auf oder am Wasser. So hat der Kajak-Abenteurer die inselreiche Küste erkundet. Entstanden ist ein Bericht, der die Paddellust Richtung Osten schüren wird.

Estlands Inseln entdecken und einen Blick ins Baltikum wagen – genau das war der Plan, der sich langsam in meinem Hinterkopf festsetzte. Ich stand vor einer Ostseekarte und mein Zeigefinger streifte über Estlands größte Insel Saaremaa. Ziemlich schnell stand für mich fest: »Da musst du hin!« Ich war gespannt auf wilde Strände, ganz vielWald und hin und wieder einen kleinen Hafen. Nette Esten, das war sicher, würde ich sowieso treffen.

Text/Bilder: Jörg Knorr

Mein längstes Seestück

Ein halbes Jahr später. Ich bin auf der Fähre von Travemünde nach Ventspils in Lettland.Mit meinem Kajak auf dem Bootswagen im Schlepptau verlasse ich die Fähre und erreiche nach drei Kilometern Fußmarsch den Strand.

Nur zwei Nächte habe ich in Lettland mein Zelt aufgestellt. An menschenleeren Strandabschnitten, die meine Erwartungen übertrafen. Ab und zu ein Möwenschrei, ein sachtes Rauschen, wenn der Wind durch die Baumwipfel der direkt an den Strand angrenzendenWälder zieht – sonst nichts. Ich streife am Strand entlang zur Mündung der Irbe, einem Fluss, der als Zusammenfluss der Rinda und Stende hier in die Ostsee mündet. Bis Saaremaa und damit bis Estland sind es genau 30 Kilometer. Der kürzeste Weg übers Wasser von Süden kommend. Eine Alternative wäre, die Rigaer Bucht auszupaddeln, was ca. 400 Paddel-km extra bedeuten würde.

Ich bleibe bei meinem Vorhaben, den kürzesten Weg nach Saaremaa zu paddeln. Das GPS-Gerät mit eingegebener Zielkoordinate gibt mir ein sicheres Gefühl, auch wenn das Ziel erst nach zwei Stunden in Sicht kommt. Nach 4,5 Stunden steige ich auf Saaremaa in der Nähe des Leuchtturms in Sääre aus dem Boot. Um meiner Ankunft in Estland wenigstens ein Minimum an Bedeutung zu verleihen, kehre ich in ein kleines Restaurant ein. »Prost Estland, da bin ich«, flüstere ich, mein Bier in der Hand Richtung Ostsee gestreckt. Ich fühle mich großartig!

Vilsandi – die kleine Insel im Westen

Der große Leuchtturm ist erst auszumachen, als er keine 50 Meter mehr entfernt ist. Das obere Ende des Turms ist nicht zu sehen, so dicht ist der Nebel. Ich habe Vilsandi an Saaremaas Westende erreicht. Der frische Wind schiebt mich am Leuchtturm vorbei. Auf der Lee-Seite der Insel finde ich nicht nurWindschutz, sondern auch einen schönen Parkplatz für das Kajak auf flachen Steinen und eine Wiese für mein Zelt. Vilsandi ist mit seinen etwa 30 Einwohnern und ganzen neun Quadratkilometern die westlichste bewohnte Insel Estlands. Vilsandis Leuchtturm wurde bereits 1809 erbaut. Seit 1993 existiert der Nationalpark Vilsandi, der insgesamt 150 Inseln vereint.

Endlich verzieht sich der Seenebel. Ich öffne den Zeltreißverschluss und schaue auf einen blauen Himmel und sich Richtung Horizont verziehendeWolken. »Geht doch«, ist mein kurzer Kommentar (ich spreche tatsächlich mit mir selbst). Also nichts wie raus und noch eine Runde über die Insel laufen. Angelegte Wanderwege führen über das Eiland und ermöglichen Ein- und Ausblicke aus verschiedenen Perspektiven. Zum Abend zeigt sich der Leuchtturm tatsächlich noch mal im warmen Licht der Sonne, die erst spät untergeht.

Den vollständigen Beitrag lesen Sie in der Ausgabe 02/2017.

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