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Nordirlands Küste für jedermann

Im Seekajak zum Giant’s Causeway

Mit dem Seekajak die Küste Nordirlands erkunden – das hat Rainer Heubeck in die Tat umgesetzt und dabei viele Natur-Entdeckungen gemacht.

Meter für Meter wird es dunkler. Ein lautes Rauschen, das von tosendemWasser kommt, dröhnt uns aus dem immer schwärzer werdenden Felseinschnitt entgegen, in den wir mit unseren Seekajaks langsam hineinpaddeln. Ein gruselig und unheimlich wirkendes Geräusch. Doch bald schon macht die gewaltig hohe Höhle einen leichten Linksbogen, wir erkennen einen hellen Schimmer am Ende – und sehen dort schäumende weiße Gischt.

Text/Bilder: Rainer Heubeck

Stephen Craig, ein passionierter Seekajakfahrer und erfahrener Outdoor-Guide, der die nordirischen Küstengewässer so gut kennt wie den Inhalt seines wasserdichten Packsacks, gibt das Signal zur Umkehr. Wir verlassen die Höhle durch dasselbe Felstor, durch das wir hineingefahren sind – und paddeln weiter zum Bushfoot Strand.

Abstecher zum Bushfoot-Strand

Es ist unser erster Tag im Seekajak und Stephen will uns zeigen, wie man an einem Strand, der zum Meer hin offen ist, sicher anlandet. Der 54-Jährige hat wertvolle Tipps: »Wenn ihr an den Strand fahrt, müsst ihr aufpassen, dass euch dieWellen nicht ans Ufer schleudern. Wenn ihr spürt, dass von hinten eine Welle kommt, dann paddelt ihr rückwärts, ist die Welle vorbei, dann wieder vorwärts.« Das klappt ganz gut – bis ich mit meinem Seekajak plötzlich quer zu den Wellen stehe. Glücklicherweise ist der Seegang nicht übermäßig stark, so dass sich das mit wenigen Paddelschlägen wieder korrigieren lässt.

Der Bushfoot Strand, an dem wir anlanden, ist nahezu menschenleer. Schließlich ist heute kein typisches Badewetter, bedeckter Himmel, etwa zwanzig Grad. Beim Kajakfahren stören die Temperaturen nicht. Wir haben vor der Tour Trockenanzüge und Schwimmwesten bekommen, das hält warm – auch, wenn man den einen oder anderen salzigen Spritzer abbekommt.

Eine lange Pause am Bushfoot Strand hat Stephen ohnehin nicht vorgesehen – denn wir wollen uns heute noch mit dem Boot einer der bedeutendsten Sehenswürdigkeiten der nordirischen Küste nähern. Der Giant’s Causeway, der Damm der Riesen, sieht aus der Kajakperspektive – bei bewölktem Himmel und leichtem Nebel – nicht gerade riesig aus, aber durchaus mystisch. Ein irischer und ein schottischer Riese, so die Legende, gerieten in Streit – und der irische Riese baute aus Steinen einen gewaltigen Damm, um den Schotten zum Duell fordern zu können. Die meist sechseckigen Basaltsäulen, von denen mehrere Zehntausend in der Nähe des Ufers ein bizarres Mosaik formen, sollen Überreste dieses Damms sein.

Die wahren Hintergründe der Entstehung des Causeways, der ins tosende Meer hinausführt, sind kaum weniger beeindruckend: Die dunklen Basaltsäulen sind rund sechzig Millionen Jahre alt und entstanden, als sich heiße Lava nach einem Vulkanausbruch langsam abkühlte. Ihre sechseckige Struktur bekamen sie durch die Spannungsrisse, die dabei auftraten.

Heute ist der Giant’s Causeway ein UNESCO-Weltnaturerbe, und ein im Jahr 2012 eröffnetes Causeway-Besucherzentrum lockt die Massen. Dass die Distanz vom Giant’s Causeway nach Schottland nicht allzu groß ist, ist offensichtlich – denn das schottische Ufer ist bei gutem Wetter von den nahe gelegenen Klippen aus gut zu erkennen. »Es sind etwa zwanzig Meilen bis nach Schottland, bei passendem Wetter kann man die Strecke sogar paddeln«, versichert Stephen.Wir als Seekajak-Anfänger wären damit sicherlich überfordert.

Das merken wir am kommenden Tag, als wir vom Ballintoy Harbour aus lospaddeln. Es ist windig, das Meer ist aufgewühlt. Als dann noch ein bis zwei Meter hohe Seitenwellen auftauchen und unsere Boote heben und senken, so dass wir uns fühlen wie in einer Nussschale und unsere Mitpaddler zum Teil nicht mehr sehen können, machen wir nach etwa zwanzig Minuten kehrt. Statt zu Sheep Island überzusetzen und anschließend weiter zur dreißig Meter langen Hängebrücke nach Carrik-a-Rede zu paddeln, besuchen wir den Giant’s Causeway und die Insel Carrik-a-Rede auf dem Landweg.

Den vollständigen Beitrag lesen Sie in der Ausgabe 02/2017.

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